Unfassbar. Dass das geht. Sich vornehmen 90 Minuten zu schreiben. Und es dann auch zu tun. Ohne Anspruch, ohne Vorgaben, ohne sich vorzunehmen, den Pulitzer Preis damit zu gewinnen. Einfach ein Wort nach das andere setzen. Grammatik außer Acht lassen, sogar Rechtschreibung ist egal. In diesem Moment wo du nur mehr das Schreiben bist. Wo du dich aufgelöst hast, auf das Papier ergossen ohne Zensur im Kopf ohne Erwartungen im Herzen. Einfach schreiben. Und dann fließen lassen. Und es geht. Man versetzt sich selbst in eine Art Trance, die gigantisch ist. Jeder, der das noch nicht probiert hat, hat echt was versäumt. Man kommt an Ecken seines Geistes, die man nicht mal mehr wahrgenommen hat, Wünsche werden wach, die man nicht mal mehr beachtet hat, und es ist einfach nur ein Ganz sein mit sich un dem Schreiben. Ja, so ist das. Und so war das. Jetzt muss ich nur noch den Weg in das Heute zurück finden. In den Samstag, den 30. August. Denn die 90 Minuten, die ich grade nicht erlebt habe, weil ich das Schreiben war, muss mein Geist erst mal wieder einholen. Aber trotzdem, das Gefühl ist einmalig. Mit nichts zu vergleichen. Und der Sieg bleibt trotzdem, auch wenn es nur ein Trainingsstunde war- denn am Ende hab ich dann doch an einer Kurzgeschichte, die ich vor Jahren angefangen hatte, weiter geschrieben. Wie ich dahin gekommen bin- ich weiß es nicht. Und ich glaube es ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass es funktioniert. Dass es entfesselt, die Kreativität, den Zensor, den Schriftsteller. Ganz so wie Natalie gesagt hat.
Worte für ein Free Writing Piece waren es auch heute. Aber ich werde mich nicht mehr zerfleischen, wenn es in meinem Romanprojekt nicht so weiter geht, wie ich es mir vorgestellt habe. Denn der Druck den man sich selber macht, der verscheucht jede Muse die vielleicht grade im Landeanflug auf die linke Gehirnhälft gewesen wäre. Und so sammle ich weiter meine Natalie Goldberg inspired free writing pieces und freue mich einfach darüber, dass ich wieder schreibe. Und wer weiß, vielleicht komme ich demnächst nicht nur durch die tägliche Schreibpraxis wieder zu meinem Romanprojekt, sondern komme vielleicht auch drauf, dass ich vieles von den einfach so dahingeschriebenen Fetzen Kreativität auch in mein aktuelles Buch einbauen kann. Irgendwie findet das Buchprojekt sicher zu einem Ende. Davon bin ich nach wie vor überzeugt. Und so wird es auch sein.
Eure
VSM
Ist es ein Rückschritt oder ein ganz normaler Entwicklungsschritt, dass ich nun wieder beim Freewriting gelandet bin? Im Moment möchte ich einfach nur schreiben, wieder ins Gefühl des Schreibens rein kommen. Und da glaube ich trotz allem Perfektionsanspruch und Produktivitätsanspruch den ich an mich selbst trotz allem immer haben werde, dass es besser ist zu schreiben, als nicht zu schreiben. Und so habe ich mich hingesetzt, vor einer Stunde und einfach angefangen. Wusste nicht wo es hinführen würde, und das ist ja auch Ziel der Übung. Man soll sich nichts vornehmen worüber man schreiben. Und jetzt, 75Minuten später, habe ich mein vor 2 Monaten verstorbene Katze wieder zum Leben erweckt nur um sie in einem 5seitigen Kurzgeschichtenähnlichen Ding wieder sterben zu lassen. So wie es vor 2 Monaten passiert ist. Die Tränen, die mir während des Tippens über die Wangen geronnen sind, waren dieselben Tränen, die ich mir verboten hatte, zu weinen, weil es ja “schon 4 Wochen, oder “schon 6 Wochen” etc. her war. Aber es war gut, dass ich sie geweint habe. So konnte ich ein gutes Stück an mich selbst herantreten, und meine Seele ein bisschen Trost spenden, wo kein Trost mehr war, weil ich wieder funktionieren musste. Doch jetzt ist es gut- denke ich. Und so soll es ja auch schließlich sein, Autoren sollen über das schreiben, was sie kennen. Und diese Erfahrung hat sich in meine Psyche eingebrannt, stärker als viele Dinge zuvor. Also: Auftrag für heute: erfüllt? Auch wenn ich nicht am Roman weiter geschrieben habe?
Well- after all: Free writing is better than forced writing.
Eure
VSM
Ich hab soeben meinen Fünfzigtausender-Berg erklommen. Und wie ein Bergsteiger fühl ich mich tatsächlich. So lange wie ich de Story ruhen hab lassen. Aber es tut gut, sich wieder dran zu setzen, wieder weiter einzutauchen, in die Entwicklung der beiden Hauptpersonen. Wiedersehensfreude, ja so hat es sich angefühlt, als würde man alte Bekannte wieder treffen. Schön. Freue mich, dass sich das schreiben für mich so anfühlt. Es ist doch wirklich, und verzeiht mir diesen kurzen Exkurs in semi-religiöse Gefielde, ein Geschenk, wenn man kreativ sein kann. Wenn man es in sich hat, irgendwo da drin. Selbst wenn man ein halbes Jahr danach sucht. Und schon fast aufgegeben hat, es noch mal in sich zu finden. Und grade zu Ostern, lässt es eine gewisse Ironie nicht aus, dass mein Roman grade heute wieder auferstanden ist.
Okay, ich hör schon auf mit dem religiösen Talk. Passt ja auch gar nicht zu mir.
Aber freuen tu ich mich trotzdem. und das ganz offiziell, hier und jetzt auf meinem Blog- ich bin über die 50.000 Worte hinaus. Ich weiß wohl, dass noch mindestens ebenso viele vor mir liegen, und dass wahrscheinlich die Hälfte von den schon geschriebenen möglicherweise dem Rotstift zum Opfer fallen. Aber das macht nichts, zumindest nicht viel. Denn Schreiben ist wichtig, einfach ein Wort hinter das andere setzen. Und nicht drüber nachdenken. Einfach aufschreiben, den Film, der vor meinem geistigen Auge läuft (JA; es ist wirklich wieder so, wie bei TraumLebensTraum!) einfach aufschreiben. Redigieren kommt später, wegstreichen kommt später. Jetzt wird mal geschrieben. Denn wenn keine Worte da sind, kann ich auch nichts wegstreichen oder korrigieren. Aber darüber mache ich mir Gedanken, wenn es soweit ist.
Frohe Auferstehung euch allen!
Eure
VSM
Wieder hab ich nicht geschrieben heute. Obwohl ich es mir vorgenommen habe.
Aber irgendwie dachte ich, um in meinen Plot wieder besser rein zu kommen, möchte ich vorher noch mal lesen, was ich bis dato geschrieben habe. Und das hab ich gemacht. Gelesen. Den ganzen Tag. So viel ist es schon. Was mich sehr freut. Und auch stolz macht irgendwo. Denn es ist eine gute Basis, an die ich ab jetzt (okay, ab morgen) anknüpfen kann. Denn jetzt habe ich den Zugang wieder gefunden, weiß wieder wo ich aktuell im Plot bin und mein Gehirn beginnt schon wieder Bilder und Szenen auszuspucken. Die ich aufschreiben werde. Ab morgen. Weil heute habe ich nur gelesen. Aber auch das war wichtig. So kann ich morgen nahtlos anknüpfen. So als wären die tatenlosen, wortlosen Monate nicht passiert. Hoffentlich werde ich dadaurch auch vergessen, dass ich acht Monate mit schriftstellerischer Untätigkeit verschwendet habe- was mir heute noch bewusster wurde, jetzt wo ich merke, wie stark das Manuskript doch wirklich ist. Mit Abstand betrachtet sogar. Zwar von mir, schon klar, und deswegen niemals objektiv. Aber kritisch war ich schon immer, und werde immer sein was meine eigene Schreibe betrifft. Aber ich kann wirklich behaupten, ich bin gut unterwegs- und nehme den Faden wieder auf, den ich vor langer Zeit (warum eigentlich?) fallen gelassen habe.
Auf gutes Gelingen also!
Eure
VSM
Heute vor genau einem Jahr habe ich mein “aktuelles” Buch begonnen. Habe schon über 47ooo Worte geschafft. Und dann- vor 8 Monaten habe ich es beiseite gelegt? Warum? Ist nicht mehr wichtig. Wichtig ist, dass ich es an diesem Tag, genau heute in diesem Jahr werde ich weiter schreiben- und diesmal bringe ich es zu Ende. Ohne Pause. Denn ich kenne den Weg. Kenne die Story. Zu meiner Bestürzung kennen sie auch ein paar mehr Menschen, als mir in diesem Stadium eigentlich gut tut. Als meinem Schreibprozess, wenn er noch voll im Gang ist, gut tut. Aber heute, ein Jahr nach dem ersten Satz, schließe ich einen Pakt mit mir selbst. Es beiseite zu schieben, und die Story trotzdem zu schreiben, auch wenn sie schon da draußen ist- schon bekritelt, gelobt, in der Luft zerrissen und interessiert beäugt wurde- egal. Es muss mir egal sein. Denn nur so geht es weiter. Und meine Charaktere haben noch einen weiten Weg vor sich. Und sie wollen ihn gehen. Und ich möchte ihnen dabei zuschauen. Während ich schreibe.
Also dann- wünscht mir Durchhaltevermögen
Eure
VSM
Da ich im Moment das Gefühl habe, festzustecken, mich komplett von meiner Kreativität, die mich mal ausgemacht hat, isoliert fühle, habe ich mich hingesetzt und meine alte Mappe rausgeholt. In der Hoffnung in mir wieder meinen alten Traum zu wecken, habe ich sie geöffnet. Die Mappe, mit all den kleinen und großen, schlampig und ordentlich zusammen gefalteten, wild bekritzelten Papierfitzelchen. Dabei bin ich auf das gestoßen. Wie frei ich damals den Stift übers Papier gleiten lassen konnte. Herrlich!
Weihnachten 2001
Zeichen der Einsamkeit
Wenn du lange Trubel um dich rum hast,
und plötzlich sind sie alle weg,
Du bist allein, du könntest schrei´n.
Weißt nicht was tun, wo sind sie hin?
All die Gefühle der Gemeinschaft, jeder hält zu dir
und keiner kennt dich ganz genau.
Du gehörst nicht dazu und bist doch dabei.
Hast dich dazwischen gedrängt,
keinen gefragt ob es ihn kränkt.
Doch am allermeisten schmerzt es dich,
ist wie ein Stich, tief ins Herz, weil keiner weiß,
wie es dir geht, wie deine Welt sich dreht.
Du möchtest nur auf sie zugehen,
und doch bleibst du stehen,
weil eine Mauer euch trennt,
ein Ding, das keiner kennt.
Sowohl die Mauer, als auch dich.
Erkennst du mich? möchtest du fragen,
doch du hast Angst sie sagen: Ich hab zu tun!
Möchtest nur in schützenden Armen ruhen,
wissen sie sorgen sich um dich.
Doch jeder geht seinen Weg,
ohne zu schau´n, wer daneben geht.
Einzelgänger sind sie und werden es immer sein,
und du kannst dich nicht wehren. Kannst sie nicht lehren,
andere Menschen zu erkennen, ihnen Beachtung zu schenken.
Du werden sie sagen, bist doch nur einsam.
Doch die wirklich einsamen sind die, die es nicht spüren.
Kannst du sie führen, ihnen zeigen, dass es anders geht,
dass sich nicht alles um sich selber dreht?
Neugier ist eine wichtige Eigenschaft,
ohne Neugier bleiben wir allein,
und ein Leben allein ist einsam.
Wir müssen dem anderen zeigen,
dass wir interessiert sind, so wie einst als Kind.
Nur haben wir später damit aufgehört,
weil es sich nicht gehört
und haben vergessen, wie schön es ist,
Menschen kennen zu lernen, ihnen vertrauen und sich auf sie verlassen zu können.
Doch aufgrund von schlechten Erfahrungen, halten wir Abstand von Fremden.
Fremde, die unsere besten Freunde werden könnten,
wenn sie nur eine Chance bekämen.
Doch oft ist die Chance schneller vorbei als wir denken und
der Fremde geht für immer von uns,
er verschwindet aus unserem Leben.
Nur wir allein haben die Macht ihn aufzuhalten,
wir sind es, die ihn zieh´n lasen.
Es wäre doch so einfach ihm ein Zeichen zu geben.
Was würde schon allein das Wort “Bleib” bewirken?
Er würde stehen bleiben, sich umsehn und überlegen.
Vielleicht ist es dieses Wort, das der Schlüssel ist.
Der Schlüssel zur Gemeinsamkeit.
Eure
VSM
